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Aus der Regensburger Zeitung vom 07.02.2026
mit freundlicher Genehmigung der Regensburger Zeitung
Ein erfüllender Weg
Der Verein Pfad engagiert sich seit 30 Jahren für Familien mit Pflege- und Adoptivkindern
Von Claudia Erdenreich
Immer weniger Menschen sind bereit, Pflegekinder aufzunehmen, auch für Adoptionen werden engagierte Eltern gesucht. Die Gründe sind vielfältig und reichen von Mangel an bezahlbarem Wohnraum bis hin zu oft hohen Belastungen. In Regensburg steht der Verein Pfad beratend zur Seite und stellt sich gegen gängige Vorurteile.
„Es ging dann ganz schnell“, sagt Julia R., als sie unserer Mediengruppe über ihren Weg zum Pflegekind berichtet. Die 36-Jährige ist Mutter von zwei leiblichen Söhnen und entschied sich mit ihrem Mann und der gesamten Familie dafür, ein Pflegekind aufzunehmen. Der zweijährige Lukas kam vor einem Jahr in ihre Familie und wird sehr sicher auf Dauer bleiben. „Für uns besteht kein Unterschied zu den eigenen Kindern“, betont Julia, ihre Gefühle seien für alle Kinder gleich.
„Wir haben zwei gesunde Kinder und wissen dieses Glück sehr zu schätzen“, sagt Julia. Sie wollten aber gerne noch ein drittes Kind und entschieden sich schließlich für eine Vollzeitpflege. Dabei bleiben Kinder auf Dauer in der Familie. Daneben gibt es noch die Bereitschaftspflege im Falle einer Krisenintervention und Kurzzeitpflege.
Rücksicht auf die leiblichen Kinder ist wichtig
Julia und ihr Mann meldeten sich beim Jugendamt, stellten sich einem Besuch und einer Befragung und lieferten jeweils einen Lebenslauf ab. Dabei gehe es vor allem um die Frage, ob familiärer und sozialer Rückhalt bestehe und ob geeigneter Wohnraum vorhanden ist. „Wir haben uns mit beiden Großelternpaaren abgestimmt“, sagt die Pflegemutter. „Sie waren sofort einverstanden und unterstützen uns.“ Beide würden den kleinen Lukas als ihr Enkelkind ansehen.
Julia und ihr Mann absolvierten an mehreren Wochenenden ein Seminar für Pflegeeltern. „Dort wurden Voraussetzungen, aber auch Vorstellungen und mögliche Probleme geklärt.“ Sie waren von Anfang an offen was Alter, Geschlecht und Hautfarbe ihres Pflegekindes betraf. Allerdings gebe es grundsätzlich die Empfehlung, dass Pflegekinder wenn möglich jünger als das jüngste eigene Kind ist, um größere Konflikte zu vermeiden.
Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt empfand Julia stets als sehr hilfreich, unkompliziert und freundlich. Zunächst dauerte es fast ein Jahr, doch dann musste der kleine Lukas innerhalb von Stunden aus einer Mutter-Kind-Einrichtung geholt werden. „Die Mutter war abgetaucht, Lukas wäre sonst erst einmal in einem Heim gekommen“, schildert Julia den Anfang. Ohne den Einjährigen zu kennen, fuhr sie sofort los, selbst einen kurzen Heimaufenthalt wollte sie ihm ersparen. Als erfahrene Eltern konnten sie von Anfang an gelassen und liebevoll auf das kleine Kind eingehen, erzählt Julia.
Adoption dürfe kein Notnagel sein
Die Mutter ihres Pflegekindes sei bei der Geburt sehr jung gewesen und habe wenig Rückhalt in der eigenen Familie gehabt. Sie lebe inzwischen in einem anderen Bundesland, der Kontakt sei sehr reduziert, berichtet Julia. Nur etwa zwei Prozent der Kinder kämen zurück zu den leiblichen Eltern. Das Risiko sei also – anders als oft angenommen werde – sehr gering.
„Eine Adoption kam und kommt für uns nicht in Frage“, sagt Julia. In ihrer Situation könnten sie weiter auf Hilfe und Beratung zurückgreifen. Lukas hat einen Vormund, der jederzeit für sie erreichbar ist. „Das ist keine Last, auch wenn wir zum Beispiel Urlaube melden müssen“, erklärt Julia. Der Vormund müsse jederzeit wissen wo ein Kind ist, würde aber keine Vorschriften im Alltag machen, sondern im Gegenteil bei Fragen unterstützen. Andere Eltern würden dagegen ein Kind ganz bewusst adoptieren.
„Das darf aber nicht die letzte Möglichkeit sein, wenn alles sonst gescheitert ist“, schildert der Pfad-Vereinsvorstand Sascha Zehentbauer. Viele Paare würden erst alle Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlung ausschöpfen. „Die ist inzwischen aber immer erfolgreicher, es fehlen auch Adoptiveltern“, sagt Zehentbauer. Adoption müsse eine bewusste Entscheidung sein und kein Notnagel, wenn doch kein leibliches Kind möglich sei.
Gerade bei Adoptionen gibt es laut Zehentbauer viele Vorurteile, die nicht zutreffen. Weder sei eine ganz strenge Altersbegrenzung vorhanden, noch seien Alleinstehende ausgeschlossen. Gerade bei der Herkunft von Säuglingen, die zur Adoption freigegeben werden, bestehen viele falsche Ansichten. Oft seien es Frauen über 30 oder sogar 40, die mitten in Beruf und Leben stehen und kein weiteres Kind mehr möchten. Manche bemerken die Schwangerschaft spät, andere verheimlichen sie tatsächlich.
Verein Pfad steht unterstützend zur Seite
Zehentbauer engagiert sich seit fünf Jahren im Verein Pfad und setzt auf Infoveranstaltungen sowie Treffen. „Das ist für die Familien sehr wichtig“, erklärt er. Auch Julia schätzt die Gemeinschaft und arbeitet im Verein mit. „Hier haben alle ähnliche Erfahrungen und kennen die Fragen und Probleme.“ Das sei gerade für die Kinder wichtig. „Hier begegnen sie anderen Kindern mit vergleichbaren Geschichten und fühlen sich nicht so allein“.
Pflege- wie Adoptivkinder erfahren normalerweise altersgerecht ihre Geschichte. Gerade bei Pflegekindern gebe es auch Kontakte mit den Eltern. „Allerdings weniger oft als gewünscht“, sagt Zehentbauer. Die leiblichen Eltern seien meist hoch belastet und nicht in der Lage, verlässlich Kontakt zu halten.
Das könne sich auch auf die Kinder auswirken. Bei Lukas sei das kaum der Fall gewesen, freut sich Julia. Der Kleine lebte mit seiner Mutter gut betreut in einem Mutter-Kind-Heim und kam im Alter von einem Jahr zu ihnen. Er hat sich inzwischen ganz in seine neue Familie eingelebt. „Unsere beiden großen Jungs jubelten von Anfang“, sagt Julia.
Sie blieb zu Beginn daheim, inzwischen arbeitet sie Teilzeit und Lukas ist in der Kita. „Das liebt er“, sagt seine Pflegemutter, die Lukas ein stabiles Umfeld und eine intakte Familie ermöglicht sowie umfassend Liebe entgegenbringt. „Wir würden das jederzeit wieder so machen“, betont Julia und ermuntert andere Eltern, diesen Weg zu gehen.

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